fidjah kaffara

Kaffara – Sühne leisten für eine Tat

Im Islam gibt es den Ausdruck „Kaffara“. Mit diesem Begriff ist gemeint, dass ein Mensch Sühne leisten soll. Es gibt viele Gründe warum es notwendig werden kann, Sühne zu leisten. Hierbei muss es sich nicht immer um eine Tat handeln, die gegen das Gesetz verstößt. Kaffara wird auch dann geleistet, wenn ein Moslem beispielsweise nicht in der Lage ist, zu Fasten.

Was genau bedeutet Kaffara eigentlich?

Von Kaffara wird dann gesprochen, wenn ein Muslim eine religiöse Spende leistet, weil er einen Schwur gebrochen hat. Der Schwur muss dabei nicht bewusst geleistet worden sein. Es gibt einige Vorgaben im Islam, wie das Ramadanfasten „Saum“ oder auch das „Salaat“, das tägliche Gebet, die festgeschrieben sind. Wer diese Verpflichtungen nicht erfüllt, der muss Sühne leisten. Diese Sühne ist Kaffara. Im erster Linie geht es bei Kaffara darum, den gottesdienstlichen Charakter zu zeigen. Dennoch kann die Kaffara auch eine materielle Sühne sein, wie eine Spende.

Kaffara als Sühnefasten

So ist es im Islam klar, dass Muslime die Fastenzeit einhalten. Es gibt jedoch auch Muslime, die während der Fastenzeit bewusst einen Tag das Fasten unterbrechen. Dies wird als Sühne gesehen, die durch eine Kaffara wieder gutgemacht werden kann. Gerade in Bezug auf das Ramadanfasten sind die Vorgaben jedoch sehr streng. In früheren Zeiten war die Vorgabe, dass beim bewussten Brechen des Fastens, einem Sklaven die Freiheit geschenkt werden muss. Nun war die Sklaverei in früheren Zeiten normal, heute gibt es sie jedoch nicht mehr. Das heißt aber nicht, dass das Ramadanfasten einfach gebrochen werden darf. Stattdessen gibt es das Sühnefasten, das ebenfalls als Kaffara bezeichnet wird. Die Regeln sind klar: Wer das Ramadanfasten bewusst bricht, der muss als Kaffara die folgenden 60 Tage fasten. Nicht immer ist es möglich, diese Sühne auch durchzuführen. Wenn beispielsweise ein Moslem krank wird, ist es nicht immer möglich, das Sühnefasten durchzuführen. Daher gibt es noch Alternativen. Hier ist es möglich, einen Tag lang 60 Bedürftigen genug Nahrung zukommen zu lassen, um sie zu sättigen. Oder aber er entscheidet sich dafür, einen Bedürftigen 60 Tage lang zu sättigen. Damit dient die Kaffara dazu, Menschen zu helfen, die sich in Not befinden.

Wichtig: Eine Kaffara muss auch dann geleistet werden, wenn ein Mensch einen anderen Menschen ohne Absicht getötet hat. In diesem Fall wird von Blutgeld gesprochen. Die Kaffara wird dann an die Hinterbliebenen des Getöteten gezahlt.

Fidjah – das abzutretende Entgelt

Kaffara wird häufig auch als Fidjah bezeichnet. Übersetzt handelt es sich hierbei um ein Entgelt, das jemand zahlen muss, damit er sich selbst aus einer schweren Situation befreien kann. Ein Blick auf den islamrechtlichen Fachbegriff macht deutlich, dass die Fidjah vorher etwas anderes war. Es handelte sich hierbei um eine Auslösesumme, die gezahlt werden musste, um Kriegsgefangene befreien zu können. Der Begriff steht aber auch für eine finanzielle Ersatzleistung, die gezahlt werden muss, wenn ein Moslem nicht an einem Gottesdienst teilnehmen kann oder einen Fehler begangen hat. Dies gilt in Bezug auf das Fasten sowie auf die Pilgerfahrt, auch Hadsch genannt.

Der Unterschied zwischen Kaffara und Fidjah

Auch wenn Kaffara häufig auch als Fidjah bezeichnet wird, so gibt es hier dennoch Unterschiede. So wird das Wort „Kaffara“ auf „kufr“ aus dem Arabischen bezogen. Diese Wort steht für das Verdecken oder Verbergen von etwas. Daher wird Kaffara als Bezeichnung genutzt, wenn ein Muslim eine unrechtmäßige Handlung oder eine Sünde tilgen möchte. Die Kaffara wird dann gezahlt, wenn eine Tat begangen wird, die in Bezug auf den Islam als eine Sünde gesehen wird. Die Fidjah wird dagegen geleistet, wenn die Sünde in Bezug auf eine Ibadah begangen wurde. Die Ibadah ist eine Gottesdienstleistung, also ein Gebet oder auch ein Gottesdienst. So wird die Fidjah also als ein Ersatz für einen verpassten Gottesdienst geleistet. Damit handelt es sich hierbei um eine Erleichterung.

Eine Überschneidung gibt es dennoch. So werden sowohl die Kaffara als auch die Fidjah für das Fasten geleistet. Ursprünglich war das Fasten im Islam eine freiwillige Sache. Diese wurde jedoch zu einer Pflicht, als die Ayat gesandt wurde. Im Ramadan sind Muslime daher an die Fastenpflicht gebunden, wenn sie körperlich in der Lage zum Fasten sind. Lediglich Kranke, Alte oder Reisende sind ausgenommen, wobei Reisende und kranke angehalten sind, das Fasten nachzuholen. Altersschwache leisten dagegen die Fidjah. Die Kaffara wird dagegen gezahlt, wenn jemand absichtlich das Fasten unterbrochen hat, obwohl es dafür keinen Grund gab.

Sonderregelung: Wenn eine Frau schwanger ist oder ihr Baby stillt und aus diesem Grund nicht fasten kann, dann kann sie entweder die Fastenzeit nachholen (wenn möglich) oder  die Fidjah entrichten. Dies gilt dann, wenn sie das Fasten unterlässt aufgrund von Angst, dass ihr Kind möglicherweise einen Schaden davontragen könnte. Sie kann das Fasten aber auch unterlassen, wenn sie für sich selbst einen Schaden vermutet. In diesem Fall reicht es aus, wenn sie nachfastet.

Wann und wie werden Kaffara und Fidjah gezahlt?

Es ist möglich, die Zahlung direkt an den Tagen des Ramadans zu entrichten, an denen das Fasten gebrochen wurde. Sie kann aber auch gezahlt werden, wenn Ramadan vorbei ist. Dabei kann sich entschieden werden, ob die Fidjah einer bedürftigen Person zugute kommt oder ob sie auf mehrere Bedürftige verteilt werden soll.

Bei der Höhe von Kaffara und Fidjah gibt es Unterschiede. In früheren Zeiten wurde die Sühne in Form von Nahrungsmitteln geleistet. Diese Nahrungsmittel sollten für einen Tag zwei Mahlzeiten bieten. Heute wird häufig ein Betrag festgelegt, der auf dieser Basis beruht. Das heißt, der Betrag muss ausreichen, um einem Bedürftigen mindestens zwei Mahlzeiten an einem Tag zahlen zu können.

Es wird davon ausgegangen, dass ein Muslim ehrlich mit sich selbst ist und die Sühne zahlt, ohne darauf hingewiesen zu werden. Inzwischen gibt es die Möglichkeit, Kaffara oder Fidjah über eine Hilfsorganisation zu leisten. Hier kann ausgewählt werden, warum es gezahlt wird und welche Höhe diese haben soll. Über die Hilfsorganisation kommt der Betrag dann Bedürftigen zugute. So können Muslime auf der ganzen Welt die Kaffara leisten und sich von der Sühne reinwaschen.

Eine Möglichkeit deine Fidjah zu zahlen bietet dir die humanitäre Hilfsorganisation muslimehelfen e.V.